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Winterheller News 03.08
Thema dieser Ausgabe: Budgetierung. Thema der nächsten Ausgabe: Konsolidierung    
   
Bild: Monika Koch

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie wichtig Budgetierung ist, merken wir meist erst, wenn es zu
spät ist. „Wenn wir das berücksichtigt hätten, dann könnten wir
jetzt ..."
ist dann der häufig verwendete Satz. Damit Ihnen das möglichst nicht passiert, haben wir hier die größten Sünden
und die wichtigsten Tipps zusammengestellt.


Viel Spaß beim Lesen wünscht

  Unterschrift Monika Koch
Monika Koch, Geschäftsführerin, WINTERHELLER software GmbH
   
   
Bild: Zahlenspiralle
 

Die größten Planungs- und Budgetierungssünden und ihre Vermeidung
Ich mache für mein Leben gerne Budgets. Planen ist eine enorm kreative Angelegenheit,
eine Möglichkeit, spielerisch mit meinem Unternehmen und seinen Chancen und
Risiken
umzugehen. Ohne Planung ist man als Manager im Blindflug unterwegs –
womit
vergleiche ich meine Erfolge und Misserfolge?

Die klassische Planungsliteratur liefert für die Wichtigkeit des Planens eine Fülle
von Argumenten:

• Durch die Planung werden die Ziele für die Zukunft definiert und Prioritäten gesetzt.
• Die Planung lenkt die Ressourcenverteilung im Unternehmen.
• Die Identifikation mit der Planung und ihren Zielen wirkt motivierend.
• Die Planung koordiniert die verschiedenen organisatorischen, inhaltlichen und
  zeitlichen Dimensionen, in denen innerhalb des Unternehmens gearbeitet wird.

Trotzdem ist die Vorliebe für das Planen gar nicht so weit verbreitet, wie man meinen
würde. Unternehmensplanung wird häufig als ein überformalisierter Prozess beschrieben,
der sowohl ineffizient ist als auch zu Bestandswahrung statt Zukunftsorientierung und
Bonusmaximierung statt Erfolgsdrang führt. Diese Kritik ist nicht völlig von der Hand zu
weisen. Gerade in den verteilten Planungsprozessen von großen und mittelständischen
Unternehmen haben sich Planungsunsitten breit gemacht, die einem schon den Spaß
an der Planung nehmen können.

Jede der an der Planung beteiligten Gruppen (Top-Management, Controlling und Linienmanagement) kann mit ihren speziellen Planungssünden problemlos den
ganzen Vorgang in Misskredit bringen. Im Folgenden finden Sie eine kleine,
subjektive und natürlich völlig unvollständige Hitliste dieser Planungssünden.

Planungssünden der Top-Manager
1. Fehlende Vorgaben: Nach der ersten (Bottom-up) Planungsrunde stehen Top-Manager
häufig total entsetzt vor den völlig unbrauchbaren Ergebnissen. Neue Ideen fehlen völlig,
die Kosten laufen aus dem Ruder, weil einige Abteilungen die Planung als Wunschkonzert verstanden haben und der Vertrieb hat ein Sicherheitsbudget abgegeben, dass er zwar
nicht verfehlen kann, das aber das Unternehmen in den Ruin treibt. Der Grund für so eine
Entwicklung ist häufig das Fehlen von klaren Planungsvorgaben und Rahmenbedingungen.
Diese müssen ganz eindeutig vom Top-Management kommen.

2. Plananpassung per „Chefknopf“: Diese Technik tritt oft in Verbindung mit fehlenden
Vorgaben auf. Die Geschäftsführung erteilt den Auftrag, die Kosten um x % zu kürzen und
die Umsätze um y % zur erhöhen. Sie zerstört garantiert jede Motivation, lässt diejenigen,
die sich bei ihrer Planung etwas gedacht haben, wie Idioten aussehen und bestätigt Alle,
die gleich einen Sicherheitspolster eingeplant haben. Tipp: Weglassen!

3. Fehlende Integration von Strategie und Planung: Das Problem ist ähnlich wie in Punkt 1,
hat aber noch einen tieferen Hintergrund. Um die Prioritäten im Unternehmen richtig zu
lenken, müssen die strategischen Ziele vermittelt werden. Dazu muss es aber zunächst
einmal eine strategische Planung geben. Es ist keineswegs unüblich, dass zunächst in
einem Unternehmen die operative Planung eingeführt wird und erst danach ein geregelter
strategischer Planungsprozess durch das Top-Management eingerichtet wird. Wenn es
gelingt, diese strategische Planung gut in die Prämissen und Ziele für die Budgetierung
einzubauen, werden die Planungsvorgaben deutlich wirkungsvoller. Auch diese Aufgabe
kann nur vom Top-Management geleistet werden.

4. Erhöhter Bonus bei Planübererfüllung: Das ist der sicherste Weg, seine Mitarbeiter zu
Optimierungsverhalten (vulgo „Lügen“ genannt) zu verleiten. Je niedriger das Budget ist,
das der Mitarbeiter verhandeln kann, desto mehr verdient er bei Übererfüllung. Deutlich
besser bewährt haben sich hier lineare oder oberhalb der Budgetschwelle degressive
Provisions- und Bonussysteme.

Planungssünden der Controller
1. Detailverliebtheit: Zu den klassischen Ängsten eines Controllers zählt die Furcht,
jene Detailanalyse nicht liefern zu können, die der Chef gerade verlangt. Diese Furcht
ist nicht unberechtigt; die meisten Controller haben schon Stunden für eine Auswertung
aufgewendet, für die die Daten nicht vernünftig aufzutreiben waren. Je detaillierter die
vorliegenden Daten, desto geringer ist diese Gefahr. Im Zusammenhang mit der Planung
führt Detailverliebtheit aber zu langen Durchlaufzeiten, Scheingenauigkeit und frustrierten
Planern. Die Definition der steuerungsrelevanten Datentiefe gehört zu den klassischen
Controller-Aufgaben in der Planung; schlichte Techniken wie die Anwendung der 80/20-
Regel oder die ABC-Analyse können dabei helfen.

2. Fehlende Bereitstellung von Bestandsdaten: Gerade im Gemeinkostenbereich
sind viele Größen bereits fixiert (Mieten) oder können gut fortgeschrieben werden.
Für die Planenden ist es sehr mühsam, diese Werte herauszusuchen und einzutippen.
Hier kann sich das Controlling als Serviceorganisation auszeichnen – oder sich durch
fehlende Unterstützung einen Ruf als „Amt für Planung“ einhandeln.

3. Präsentation der Planungsergebnisse anstelle des Managements: Das ist keine
Controlling-Aufgabe, sondern Aufgabe des Managements. Controller sollten sich hier
nicht als Sprechpuppen missbrauchen lassen. Ansonsten entsteht leicht der Eindruck,
dass Planung die Aufgabe des Controllings ist und nicht die des Managements.

4. Excel als zentrale „Planungsmaschine“: Die Tabellenkalkulation ist so etwas wie das
Schweizer Messer des Controllers. Viele Controller haben damit schon die unglaublichsten
Sachen gebaut, auf die sie mit Recht stolz sind und die ihnen noch lange ihren Arbeitsplatz
sichern werden (unter anderem, weil sie die Einzigen sind, die das Teil verstehen).
Für einen großen, verteilten Planungsprozess ist Excel aber leider auch nicht besser
geeignet als ein Schweizer Messer für das Fällen einer 50-jährigen Eiche. Ich persönlich
verwende für solche Planungsprozesse übrigens Professional Planner (und, um ganz
ehrlich zu sein, gelegentlich Excel als Erfassungshilfe und für Nebenrechnungen).

Planungssünden der Linienmanager
1. Mangelnde Termintreue: Auch wenn Linienmanager häufig den Eindruck erwecken:
Es gibt keine Vorschrift, die besagt, dass die Planung erst zum letztmöglichen Termin
(oder knapp danach) gemacht werden darf. Dieses Verhalten führt zu unnötigem
Zeitdruck und damit in der Regel zu verminderter Planungsqualität im Detail und
in der nachfolgenden Aufbereitung.

2. Fortschreibung des Ist-Zustandes: Das Einfachste ist immer noch, man bekommt
die Daten vom laufenden Jahr und multipliziert sie mit der Inflationsrate – und fertig ist
das Budget. Das Problem dabei: Man konzentriert sich auf das Vorhandene, neue Ideen
kommen in der Regel nicht vor. Dadurch geht der Sinn des Budgetprozesses verloren –
die Zeit lässt sich dann wirklich besser verbringen. Nebenbei: Und nebenbei geht auch
der ganze Spaß verloren.

3. Planungswerte ohne Maßnahmenplan: Planwerte ohne die Definition der dazugehörigen
Maßnahmen, mit denen Sie Ihre Ziele erreichen, hängen häufig in der Luft. Oft sind sie nicht
mehr als Wunschdenken oder Ausdruck Ihrer Ängste. Auch wenn Sie keiner danach fragen
sollte – hinterlegen Sie die Planungswerte mit Maßnahmen und vor allem: Schreiben Sie
die Maßnahmen auf. Definieren Sie Projekte, Inhalte, Verantwortliche, die notwendigen
Hilfsmittel und Meilensteine. Die Planungsqualität wird zwangsläufig ansteigen.

4. Kreativer Umgang mit Erfassungsblättern: Es ist so etwas wie der Zweikampf
zwischen dem Linienmanager und dem Controller: Der Controller versucht, die Struktur
seiner Erfassungsblätter mit allen Tricks, Schreibsperren und Passwörtern abzusichern.
Der planende Linienmanager versucht trotzdem, eine Zeile einzufügen oder diese lästige
Formel zu verändern, die immer ein negatives Ergebnis für das Profitcenter anzeigt.
Meistens gewinnt der Planende – die Planungsqualität dagegen verliert.

Haben Sie die eine oder andere Sünde aus Ihrem Unternehmen wiedererkannt?
Gibt es bei Ihnen noch ganz andere Sachen, die Ihnen die Planung vermiesen?
Dann haben Sie jedenfalls noch Potential, um Ihre nächste Planungsrunde
angenehmer und erfolgreicher zu gestalten. Denn glauben Sie mir:
Planen und die Beschäftigung mit der Zukunft macht Spaß.
Viel Erfolg dabei.

Feedback an den Autor: wolfgang.neuwirth@winterheller.com

Unser Buchtipp:
Unternehmensplanung neu:
Vom teuren Managementprozess zum wirkungsvollen Steuerungsinstrument

von Mirko Waniczek und Thomas Pfneissl


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20 Jahre WINTERHELLER: Planung im Wandel der Zeit
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Budgets richtig planen, umsetzen und kontrollieren
Kaum noch eine Führungskraft wird heute bestreiten, dass die Planung eine der
wichtigsten Unternehmensaufgaben überhaupt ist. Seit die
gesetzlichen Vorschriften (KonTraG, Insolvenzgesetz) und auch Banken und Investoren (Basel II) Planungen
fordern, sind Unternehmen gezwungen, den Blick in die Zukunft zu richten.

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